Tod auf Raten ist kein Tod

Ihr Nachbar schießt auf Sie. Sie erleiden einen Streifschuss, ist aber weiter nicht so schlimm. Nächste Woche schießt er wieder, Steckschuss; OP, Heilung, Sie haben’s überlebt. Und ein paar Wochen später wieder ein Schuss, Sie verlieren Blut. Können abermals gerettet werden. Dann nochmals ein Schuss, ihr Körper ist geschwächt, Fieber stellt sich ein. Wieder zu Hause, dann erneuter Schuss – an dessen Folgen ihr malträtierten Körper versagt. Tot. 

“Nein”, sagt der Richter, “ Mord kann ich nicht erkennen. Es wäre dem Beschossenen ja möglich gewesen, die Wohnung zu wechseln oder den zu erwartenden Schüssen in geeigneter Weise auszuweichen. Freispruch für den Schützen!”

 

ABSURD??? Absurd? Nein, keineswegs, nur Deutscher Fußballbund.

 

Der hat einen geldschweren Werbevertrag mit Coca Cola geschlossen. Es ist anzunehmen, dass der für die Deutsche Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft (Juni, Juli 2016, Frankreich) zuständige Verband der Auffassung ist, Cola ist besonders attraktiv für die Zielgruppe, also Fußballbegeisterte. Zu denen auch Kinder und Jugendliche zählen. Schaut man sich auf den Straßen um, wieviel Kinder (auch aus Hartz-IV-Familien) in lizenzpflichtigen, sündhaft teuren Trikots rumlaufen, kann man die Verführungskraft des Fußballs nicht leugnen. Wenn in diesem Umfeld jemand als Werbepartner massiv und exklusiv auftritt – warum und wie können und sollten vor allem Kinder dann annehmen, das hätte nichts mit Fußball und Sport zu tun – und schon gar nicht mit den angehimmelten Nationalspielern, deren Portraits auf Sammeldosen (gefüllt mit Cola) abgebildet sind?

 

Nun ist aber Cola – in Mengen getrunken – nicht gesund. Es enthält sehr viel Zucker. Eine Cola mal zu trinken – überhaupt nicht das geringste Problem. Hin und wieder eine Cola, ja warum denn nicht?! Öfters eine Cola – mmmh?! Ständig Cola – Gift. Unter Umständen und auf lange Sicht tödliches Gift. Muss nicht in jedem Fall sein, ist aber auch in keinem Fall auszuschließen. Nur nachzuweisen ist es nicht, bezogen auf die einzelne Portion Cola. Da haben wir ja den Richter für, den schlauen – siehe Eingangs-Absatz: Nicht der einzelne Schuss hat getötet ... und wer sich unverantwortlich in wiederholte Schüsse begibt, der ...

 

Exakt das nämlich ist die Argumentation, die zwischen Foodwatch und dem Deutschen Fußballbund ausgetauscht wurde. Ich überlasse es Ihnen, sich darüber ein Urteil zu bilden. Meins gebe ich mal vorweg: Perverser (also “umgekehrter”, verdrehter – denn das ist des Wortes Sinn) gehts wohl kaum noch. Zynischer auch nicht. Verantwortungsloser sowieso nicht. 

 

Zucker macht nachweislich süchtig. Eigentlich müsste es unter das Drogengesetz fallen. So wie Nikotin, von dem die Zigarettenindustrie jahrzehntelang behauptete, es sei harmlos, bis sie unter der Last der Beweise zusammenbrach. Seitdem steht auf jeder Packung “Rauchen kann tödlich sein”. Mit exakt gleicher Logik muss auf zuckerhaltigen Getränken stehen “Das Trinken dieser Erfrischung kann bei Ihnen tödliche Folgen haben”. Eine Zigarette, eine Cola, eine Verletzung – all das kann man gut überstehen, unter Umständen. Schon Paracelsus sagte “Die Dosis macht das Gift”. 

 

Eine Dose Cola am Tag, ein großer Schluck Milch oder Kakao (wird in der Werbung als gesund gepriesen), ein angeblich doch so gesunder und wichtiger Joghurt, Marmelade (super, sind Früchte drin) anstelle von Wurst und Käse (igitt, wie fettig das all!), Salat mit (fertiger) Sauce, Eistee vom Supermarkt (Tee ist ja soooo gesund) – am Abend des Tages ist die Zuckermenge so groß, dass sie mit signifikanter Wahrscheinlich unausweichlich tödlich sein könnte. Nur nicht heute. Sondern in vielen Jahren. Aber, sagt ja der Richter, der einzelne ...

 

Die Original-Pressemitteilung von Foodwatch:

Cola-Kommentar von André Schürrle entlarvt "Doppelmoral" des DFB - Nationalspieler müssen für Produkte werben, die sie selber nicht empfehlen
Berlin, 14. Juni 2016. Die Verbraucherorganisation foodwatch wirft dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine Doppelmoral bei seinen Werbeverträgen mit Coca-Cola, Ferrero und McDonald's zur Fußball Europameisterschaft vor. Weder eigene Spieler noch der Koch der Nationalmannschaft empfehlen den Verzehr jener Produkte, für die das Team Kindermarketing betreiben muss. 

Nationalspieler André Schürrle erklärte kürzlich auf einer Pressekonferenz im französischen Évian, es gebe "keine Chips und keine Cola" für die Mannschaft, sondern "eher gesunde Sachen". Schürrle ziert ein EM-Werbeplakat von Coca-Cola, dem Weltmarktführer für Zuckergetränke. Der Team-Koch Holger Stromberg machte gegenüber foodwatch deutlich, dass er überwiegend stilles Wasser und Tee serviere - und nur gelegentlich eine "selbst gemachte Limonade". 

 

"Dem DFB ist der Profit wichtiger als das Gemeinwohl. Die deutschen Nationalspieler müssen für zuckrige Cola werben, obwohl sie selbst von dem Verzehr abraten", erklärte Oliver Huizinga, foodwatch-Experte für Lebensmittelmarketing. 

Im Original: die Korrespondenz von Foodwatch und Deutscher Fussball Bund

So wirbt Coca-Cola zur WM (Screenshot); Es ist nicht zu erkennen, dass auf einen mäßigen Umgang mit dem Getränk hingewiesen wird. Im Gegenteil: "Die und keine andere" (will das Wortspiel sagen).
So wirbt Coca-Cola zur WM (Screenshot); Es ist nicht zu erkennen, dass auf einen mäßigen Umgang mit dem Getränk hingewiesen wird. Im Gegenteil: "Die und keine andere" (will das Wortspiel sagen).


Oh sorry, ich muss mich korrigieren

Coca Cola muss gesund sein

Selbst meine Apotheke wirbt damit

Gestern war ich beim Doc, wieder mal so'n Rezept für und gegen die täglichen Altersbeschwerden. Ich rein in meine Stamm-Apotheke. Und was sehe ich da? GROSS REKLAME FÜR COCA COLA. 

Irgendwer (im Zweifelsfall einer der geldüberschüssigen Pharmafirmen) hat der Apotheke – die sich längst nicht mehr in Nutten-Manier zu schade für jede Art bezahlter Bedürfnisbefriedigung ist – eine Reklame mit Fußball reingedrückt. Jetzt laufen die Angestellten – ja, ja, der Berufsstand, der so stolz auf seine Seriosität ist – in symbolisierten Fußball-Trikots im Laden zwischen Aspirinröhrchen und Inkontinenz-Einlagen rum. Und im Schaufenster groß: COCA COLA. Ist ja DFB-Sponsor. Coca in der Apotheke. Nach meinem bisherigen Dafürhalten ist eine Apotheke fürs Gesundmachende zuständig, nicht für schleichendes Gift – immer im Sinn: Die Dosenmenge, die Dosis macht das Gift!

 

Gesund? Ach ja, ja natürlich – wie konnte ich das vergessen? Wenn man bedenkt, wieviel Apotheken und Pharma-Industrie an Arzneien gegen Diabetes II, (auch Alterszucker genannt, der sich auch bei zahlreichen anderen Faktoren, unter anderem falsche Ernährung und Übergewicht einstellen kann) verdienen, wenn man weiß, wie lukrativ die Krankheit "diabetes mellitus" für das "Gesundheits-Unwesen" ist, dann ja, dann macht Coca Cola nicht nur deren eigene, sondern auch vieler anderer Unternehmen klingelnde Kassen ganz gesund. Ob's ein Eigentor ist – wen interessiert das schon. Das Ergebnis zählt. Also der Gewinn.

... und was man so über Zucker liest:

Quelle: https://www.dr-feil.com/allgemein/zucker.html

 

Wussten Sie,

dass ein deutsches Kind im Jahr 50,90 Kilo Zucker zu sich nimmt, also mehr als das eigene Körpergewicht?

  • dass in 100 Gramm Nutella 55,90 Gramm Zucker enthalten sind?
  • dass ein Glas Orangensaft 20 Gramm Zucker enthält?
  • dass in Mexiko jährlich über 100.000 Menschen an der Zuckerkrankheit sterben?
  • dass es ein Abkommen der internationalen Zuckerorganisation gibt mit dem Ziel, den Zuckerverbrauch pro Kopf zu steigern? (Das Abkommen wird vom Deutschen Bundestag gefördert.)
  • dass sich sogar in Abnehmprodukten von Weight Watchers Zucker befindet?
  • dass Milliarden unserer Steuergelder jährlich in die Förderung des Zuckeranbaus investiert werden?

… erschreckend, wenn man bedenkt, wie negativ sich Zuckerkonsum auf unsere Gesundheit auswirkt.
Dass Zucker dick macht und Karies verursacht, ist wohl den meisten bekannt. Dass der regelmäßige Zuckerkonsum allerdings auch zu erhöhtem Bluthochdruck führt und gleichzeitig das Risiko, an Krebs, Alzheimer, Osteoporose, Arthrose oder an Artherosklerose zu erkranken erhöht, wissen die Wenigsten unter uns. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass Personen, die regelmäßig Zucker zu sich nehmen, schneller sterben. Und dieser Fakt ist bereits tausendfach in Studien bestätigt.